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Mo, Alkoholikerin (seit sechs Jahren dankbar trocken) und Angehörige

Hallo ihr Lieben alle, ich war ein paar Tage nicht online und habe eure lieben Mails daher erst jetzt gelesen. Danke euch, dass ihr an mich gedacht habt.

Am Wochenende, als mein DOS war, habe ich an euch gedacht und dachte mir bereits, dass ich bestimmt Nachrichten von euch habe. So erinnerte ich mich auch wieder an den 1. August und die Zeit davor und danach im Jahr 2014, wie alles kam, wie es verlief und wie ich trocken und nüchtern wurde. Gerne möchte ich meine Erfahrungen noch mal mit euch teilen, bietet sich ja vielleicht auch an, wo doch grad so viele "Neue" dazugekommen sind, die ich hiermit auch noch herzlich willkommen heißen möchte!

So etwa im Mail des Jahres 2014 bekam ich "plötzlich" einen dicken Bauch. Alles andere an mir war inzwischen von ursprünglich so fünf Kilo zu viel abgemagert und eigentlich schon zu dünn. Spätestens da wurde mir bewusst, ich bin wohl wirklich krank. Natürlich war mir schon länger klar, dass ich missbräuchlich mit Alkohol umgehe. Da beide meine Eltern infolge von Alkoholismus früh verstorben sind, hatte ich doch auch ein bisschen Angst, ich könnte möglicherweise schon süchtig sein und alleine da nicht mehr raus kommen. Jedoch war ich gut im Verdrängen und hatte so immer noch Hoffnung, dass ich das schon in den Griff kriege, wenn mein sonstiges Leben wieder in geregelte Bahnen kommen würde.

Zu dem aufgetriebenen Bauch kamen dann auch gelbe Augen. Da wurde mir schließlich endgültig klar, dass ich den Absprung wohl verpasst hatte. Den Alkohol ließ ich ab dem Zeitpunkt, also dem 1. August, weg. Am 3. August, dem Geburtstag meines Sohnes, bei dem auch sein Vater und die Großeltern anwesend waren, schenkte ich für alle Sekt ein - auch für mich. Ich nippte sogar, aber es schmeckte mir glücklicherweise nicht, und ich wollte ja auch eigentlich nicht, und so ließ ich mein Glas nach dem Anstoßen stehen. Das war seit vielen Jahren nicht mehr vorgekommen, dass ich ein Glas Alkohol verschmähte.

Nach einem ersten Besuch bei einer Ärztin, die mir Blut abnahm, ein paar Tage später wiederum, meine Werte daraufhin besser waren und sie mir erklärte, wenn ich weiterhin abstinent bleiben würde, dann käme schon alles wieder in Ordnung, schöpfte ich Hoffnung, ich sei noch einmal davongekommen. Aber der Bauch wurde dicker, ich hatte Schmerzen und konnte mich kaum noch bewegen. Ich suchte eine andere Ärztin auf, die mich sofort einweisen lassen wollte. Schließlich landete ich einen Tag später im Krankenhaus. Nach etlichen Untersuchungen bekam ich die Diagnose Leberzirrhose. Gott sei dank hatte ich keine Oesophagusvarizen, und die Diagnose Child 3 wurde nach ein paar Wochen auch abgemildert. Das bedeutete für mich, ich bin ganz knapp noch mal davongekommen.

Nach stationärer zehntägiger Entgiftung, ambulanter dreimonatiger Entwöhnungstherapie und einer Nachsorgetherapie, die ein halbes Jahr lang wöchenlich ein Mal stattfand, bin ich nun auch dank dieses Meetings sechs Jahre stabil trocken. Dafür bin ich sehr dankbar. Ein Rückfall wäre vermutlich mein endgültiges Todesurteil. Ich habe eigentlich noch einiges vor mit meinem Leben, darum heißt es für mich: dranbleiben! Ich bin froh, dieses Meeting und euch gefunden zu haben, kann ich mich doch immer - 24/7 - mitteilen. Und wenn mir nicht danach ist, muss ich nicht, kann "nur" mitlesen oder mal Meetingpause machen, wie ich es gerade getan habe. Aber missen möchte ich euch nicht!

Ich wünsche allen "Neuen", dass sie hier finden, was sie suchen und brauchen. Danke, dass ich das hier noch mal mitteilen durfte, so bleibt es immer wach und auch mahnend in Erinnerung.

Alles Liebe, Mo

Als ich ganz neu bei AA war, war ich vor meinem "Mut" erschrocken, in eine Gruppe mir völlig fremder Leute zu gehen und mein Innerstes nach außen zu kehren. Wie war ich nur auf so eine abwegigen Idee gekommen?? Sowas wollte ich eigentlich gar nicht und ich fühlte mich fremd in den ersten Meetings.

...weiterlesen "Ralph (2020)"

Guten Morgen,

Ich bin tatsächlich oft froh, wenn jemand antwortet auf einen Beitrag von mir. Hier sind ja nicht so viele Angehörige die schreiben, da sind diese Beiträge umso wertvoller für mich. Ratschläge empfinde ich nicht als Schläge, ich kann ja selbst entscheiden, was ich mir davon annehme oder eben nicht.

...weiterlesen "Sabina (2019)"

Guten Morgen,

als ich von Problemen gestern las und dass es der Freundin schlecht geht, habe ich mich an meine Anfänge hier erinnert. Ich hatte große Sorgen um meinen Suizidgefährdeten Sohn, stand unter Dauerstress wegen Arbeit und Pflegetochter und war depressiv.

...weiterlesen "Susanne (2019)"

Hallo von Karin!

Danke für die lieben Glückwünsche, die mich gleich zu Tagesbeginn erreicht haben. Ha, heute gehe ich in das 10. trockene Jahr, es ist immer ein ganz besonderer Tag für mich, wie ein 2. Geburtstag! Ich weiß noch wie heute, wie ich auf dem Stuhl saß auf dem ich gerade auch sitze und mich entschlossen habe, nicht weniger sondern keinen Alkohol mehr zu trinken.

...weiterlesen "Karin (2019)"

Ich bin Ina, Alkoholikerin

Meine Eltern waren sogenannte Flüchtlinge. Sie flohen aus der DDR, meine Mutter war mit mir schwanger.

Wir wohnten in einem Dorf, es waren die 60er Jahre. Mein Vater betrieb eine Baustoffgrosshandlung, es wurde überall gebaut. Das Geschäft lief gut. Meine Eltern ackerten, die wollten die Vergangenheit abschütteln, im Dorf als geachtete Leute gelten. Sie arbeiteten beide hart und viel. Es kamen noch 4 Geschwister, alle 3 Mädchen wurden Alkoholikerinnen. Alkohol war immer präsent. Es wurde zu allen Gelegenheiten viel und oft getrunken.

...weiterlesen "Ina (2019)"

Matthias, Alkoholiker,

Michaela die teilweise von mir subjektiv als recht emotionsgeladenen Beiträge der vergangenen Tage ließen mich nachdenklich werden. Warum bin ich in meiner Situation? Warum habe ich mich bei einem Alkoholiker-online-Forum angemeldet? Warum tue ich mich so schwer, etwas an meiner Situation zu ändern?

...weiterlesen "Matthias (2018)"

R. schrieb: "Später habe ich dann lernen können, daß mir der Alkohol nichts tut, wenn ich ihn dort lasse, wo der Pfeffer wächst."

Lieber R., also bei mir wächst der Pfeffer ziemlich in meiner Nähe. Was ich sagen will ist - es ist nun fast ein Jahr her, dass ich mich hier eingeschrieben habe. Davor hatte ich sieben trockene Monate und glaubte, der Alkohol sei, wo der Pfeffer wächst und das sei weit weg. Mindestens auf der anderen Erdhalbkugel, wenn nicht gar auf einem anderen Planeten. Ganz sicher war ich mir, dass ich es "geschafft" hätte. Der Alkohol war verbannt, ins Exil geschickt und ich wähnte mich "sicher".

...weiterlesen "Bärbel (2017)"


Totsaufen, ja, das hört sich erst mal nach einer einfachen Lösung an. Dachte ich auch mal. Also nicht in dem Sinne, dass ich keine Lust mehr hatte zu leben, aber das Leben erschien mir mit Alkohol leichter zu ertragen und zwischendurch dachte ich mir mal, dann nehme ich doch den "einfachen" Weg und helfe mir mit Alkohol über den Tag - und die Nacht zur Not auch - und wenn es denn mal vorbei ist, dann war´s wenigstens nicht so schwer. Ja, so hab ich mal gedacht. Aber meine Eltern sind beide an den Folgen übermäßigen Alkoholgenusses gestorben. Meine Mutter an Leberzirrhose.

...weiterlesen "Mo (2017)"
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