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Silvias Kapitulation (2005)

Silvia, Alkoholikerin,

Ich kam letztes Jahr im April nach München, weil ich ne tolle Fortbildung im Mai anfangen wollte. Tat ich auch.

Und es war wie immer. Dieses Mal wirst Du das mit Bestnoten bestehen. Dieses Mal wird alles anders. Dieses Mal wirst Du konsequent sein. Dieses Mal wirst Du jeden Tag dahin gehen, egal was ist. Dieses Mal wirst Du unter der Woche niemals was trinken. Am WE ein bisschen.

Und wenn an den WE mal Feiern oder so sind, da darfste dann mal zuschlagen. Ja und das funktionierte auch wie immer super klasse, die ersten 6 Wochen. Der helle Wahnsinn. Silvia super begeistert von sich. Eine Musterschülerin. Immer aufmerksam, nach der Schule sofort heim, Sport und dann noch lernen. Die Weiterbildung war kein Zuckerschlecken. Ist von anfangs 10 Monate auf 8 Monate gekürzt worden und unseren Kurs hatte man sogar auf 5,5 Monate gekürzt.

Und der Stoff hat sich nicht angemessen reduziert.

Gut und schön. Und dann lernt die Silvia natürlich nette und sympathische Leute kennen. Vor allem aus meiner Klasse.Also geht man schon mal eins trinken nach der Schule oder am Abend etc etc etc.

Und wie IMMER ist es ausgeartet.

Wir hatten jeden zweiten Freitag eine Prüfung. Nach der Prüfung um 11 Uhr war kein Unterricht mehr. Also gingen wir sofort danach "feiern". Und all die Sauferei stiftete ich immer an und schob das auf die anderen.

Wenn die nicht wären, würde ich nicht saufen.

Und ich war die erste die sagte: Hey kommt wir trinken doch jetzt keinen Kaffe!!! Wir müssen feiern!!! Wir trinken Bier.

Ja und dann fing ich früh um 11 Uhr an auf nüchternen Magen Bier zu trinken, alle zwei Wochen. Meistens bis am späten Nachmittag. Mei hatten wir ne Gaudi.

Es kommt ja noch besser.

Dann hatte ich mir in der Schule einen sehr "interessanten" Menschen ausgeguggt. Mei, war der attraktiv. Ich war hin und weg. Irgendwann sprach er mich an nach der Schule ob ich noch was mit ihm und seinem Freund trinken wolle.

Ja klar will ich.

Gleich in die Kneipe und ich konnte es fast nicht ertragen bis das erste Bier vor mir stand. Ja, in ihm hatte ich einen wirklichen "Freund" gefunden. MIt ihm konnte ich "alles" machen.

Was war das???? SAUFEN.

Mit ihm konnte ich immer zu jeder Tages und Nachtzeit saufen. Das war das was ich wollte. Und so verlagerte sich wie IMMER meine Priorität. Die Schule lief nebenbei. Irgendwie schaff ich das schon. Fast nicht mehr in den Unterricht. Kurz vor der Prüfung mal ein bisschen was durchgelesen, damit das schlechte Gewissen nicht so groß ist.

Es war ja Frühling und alles war wunderbar. Hier in München. Mei, es gibt so viele Biergärten und soviel gutes Bier und dann an der Isar abends sitzen und Bier trinken. Wow, wie wundervoll.

Das waren meine Gedanken damals.

Ja, und so ging das ne Zeit. Aber mir ging es sehr bald nicht mehr so gut damit. Irgendwann fing ich wie immer an das saufen zu kontrollieren. Ich merkte dass es wieder mal zuviel wurde.

Ich fühlte mich nur noch eklig. Ich ekelte mich vor mir selbst. Es funktionierte auch sehr schnell nicht mehr, dieses Schoenreden. Ach wie schön, ich und mein Bier und dieser tolle Sommer. Ich spürte immer mehr dass es nicht mehr funktionierte.

Mir schmeckte das Bier nicht mehr, ich fühlte mich nur noch saumäßig. Ich zockte rum und zockte rum. Jeden Morgen mit nem schlechten Gewissen aufgewacht und dem Gedanken: Heute trinkste mal NIX.

Um 16 Uhr war das wieder vorbei. Ach komm, EIN Bier. Es blieb nicht dabei. Und irgendwie wurde mir dann eine Woche bevor ich trocken wurde bewusst, dass ich das ALLES irgendwie schon kenne.

Mir wurde bewusst, dass das schon immer so abgelaufen war. Und dass es wieder so ist. Ja, und dann konnte ich ganz unspektakulär aufhören.

Am Samstag war ich auf nem Fest und wieder mit Saufen und Saufen und ich merkte dass mich das alles so was von anekelt. Ich konnte die Leute nicht mehr sehen, die Flaschen konnte ich nicht mehr sehen, die Musik nicht mehr hören. Alles funktionierte nicht mehr.

also beschloss ICH aufzuhören. Ab MORGEN trinkst Du nix mehr. Sonntag funktionierte das. Am Montag schon als ich in der Schule saß war es in mir: OHhhhh jetzt ein Bier, was gäbe ich dafür?????

Ach Scheiß drauf auf den Vorsatz. Heute noch mal, Morgen hörste dann auf. Ich ging mit ner Kollegin nach der Schule sofort in die Kneipe. Zwei Bier mit ihr, es schmeckte nicht, die Kollegin nervte mich. Das tat sie früher nicht.

Ich wollte alleine sein.

Ging heim, vorher noch am Supermarkt vorbei um Nachschub zu kaufen. Alleine weitersaufen. Es war eklig. Ich ekelte mich so sehr. Irgendwann hab ich geschlafen. Am Dienstag voller Ekel vor mir selbst aufgewacht und wieder mit dem Vorsatz: Heute trinkst du nix!!!!

Das erste was ich nach der Schule tat, war Supermarkt, nach Hause und alleine mit meinem Bier. Es schmeckte überhaupt nicht mehr. Ich schüttete es in mich rein und es war so was von eklig.

Und dann wurde mir bewusst: Ich kann nicht mehr .Ich habe keine Macht ueber den Alkohol.

Ich gebe es auf. Ich habe keine Kraft mehr. Es nützt nix!!! Mein Willen schafft das nicht. Das war am 13 Juli 2004. Ab dem 14 Juli bin ich trocken. Ich hatte kapituliert.

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