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Mo (2017)


Totsaufen, ja, das hört sich erst mal nach einer einfachen Lösung an. Dachte ich auch mal. Also nicht in dem Sinne, dass ich keine Lust mehr hatte zu leben, aber das Leben erschien mir mit Alkohol leichter zu ertragen und zwischendurch dachte ich mir mal, dann nehme ich doch den "einfachen" Weg und helfe mir mit Alkohol über den Tag - und die Nacht zur Not auch - und wenn es denn mal vorbei ist, dann war´s wenigstens nicht so schwer. Ja, so hab ich mal gedacht. Aber meine Eltern sind beide an den Folgen übermäßigen Alkoholgenusses gestorben. Meine Mutter an Leberzirrhose.

Wenn Stück für Stück alles immer beschwerlicher wird, man einfach immer weniger Kraft hat, selbst Wäsche aufhängen so anstrengend ist, dass man danach dringend eine Pause braucht. Wenn man möglichst salzarm essen soll, möglichst wenig Flüssigkeit zu sich nehmen soll, man dies nicht darf und das nicht kann, wenn die Bewegungen beschwerlicher werden, weil die Beine durch Wassereinlagerungen dicker und unbeweglicher sind. Wenn irgendwann gar nichts mehr geht, weil alle Organe schlapp machen. Wenn dann unter Umständen der Geist auch schon nicht mehr so mitmacht. Die letzten Worte meiner Mutter waren: "Ich kann nicht mehr". Nein, das ist kein schönes Sterben!

Mein Vater starb an Rachenkrebs. Die Arterien machten auch schon seit Jahrzehnten Probleme. Mein Vater konnte nicht mehr essen oder trinken, alles über Sonde. Starke Schmerzen im Rachen hinderten ihn am Schlucken. Ihn husten zu hören, tat mir schon fast körperlich weh. In dieser Zeit hat er sich den Alkohol auch über Sonde zugeführt. Und bei mir selber? Da sah es auch nicht so rosig aus. Ich hatte zehn Kilo Flüssigkeit im Bauch, die da nicht hingehörte. Kurzatmigkeit und Bewegungseinschränkungen waren die Folge. Außerdem auch starke Schmerzen im oberen Bauchraum und auf Zwerchfellhöhe. Das war nicht lustig. Man hat mich dann aufgeklärt, dass ich Leberzirrhose im Endstadium habe, dass ich noch ca. ein halbes Jahr zu leben hätte. Diese sechs Monate wären auch kein Zuckerschlecken gewesen. Also nicht, dass man noch ein halbes Jahr unbeschwert lebt und dann einfach die Augen zumacht. Nee, also am Alkohol verrecken wollte ich dann doch nicht! Also habe ich die Reißleine gezogen und seit nunmehr über drei Jahren lebe ich trocken, wesentlich gesünder und mit mehr Lebensqualität. Geholfen haben mir dabei meine Therapie, meine Familie und Freunde und natürlich diese Gruppe und eure Beiträge! Für das alles bin ich sehr dankbar. Ich wünsche dir, D., und auch allen anderen noch Schwankenden, dass euch dies auch gelingt!


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