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Angelika (2006)

Bei mir war das so: Früher hatte ich einen Ehemann, 2 gesunde Kinder, ein Eigenheim (mein Arbeitszimmer hatte mindestens 60 Quadratmeter), einen BMW. Ich hatte das Schlaraffenland.

Aber ich habe getrunken.

Dann wollte ich mit dem Trinken aufhören.

Und genau in dieser Zeit passierte folgendes: Mein Ältester wurde schwer krank, das ist er bis heute. Angeblich unheilbar. Ich mußte meinen Beruf aufgeben, um ihn versorgen zu können. Mein Mann zog nach langen Ehejahren aus. Ich mußte unser gemeinsames Haus verkaufen. Ich hatte plötzlich kein Geld mehr. Und mein Vater stürzte die Kellertreppe hinunter und starb.

Das alles geschah innrhalb von drei Monaten.

Und genau da durfte ich trocken werden. Bei mir ging das auch nicht nicht über Nacht, ich habe ein halbes Jahr gebraucht. Immer wieder nahm ich mir vor: heute geht es "ohne". Aber abends trank ich doch "ein Gläschen" - daraus wurden regelmäßig die üblichen anderthalb Liter. Am nächsten Morgen habe ich mich dann so geschämt.

Genutzt hat das nix.

Das alles liegt inzwischen länger zurück. Heute lebe ich deutlich bescheidener als damals, kann mich aber selbst ernähren. Ich fahre einen kleinen Fiat, und meine ganze Wohnung ist kleiner als mein damaliges Arbeitszimmer. Die Kinder sind erwachsen und aus dem Haus.

Aber: Ich bin trocken - und manchmal sogar zufrieden. Und ganz manchmal ein ganz klein bißchen glücklich. Mir ging es noch nie so gut wie heute!

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